28 Jan. Hufkorrektur – wann ist sie noch möglich?
Kurzum: immer. Wann immer die Hornkapsel gegenüber ihrem Innenleben deformiert ist, ist eine Rückführung in die physiologische, bestmögliche Form möglich. Wie der hier gezeigte Fall verdeutlicht, kann dies aber mitunter dauern. Wer deformierte Hufe wieder in eine gesunde und funktionable Form bringen möchte, braucht Geduld. Denn das verformte Wandhorn lässt sich nicht einfach in eine bessere Form drücken, raspeln oder schneiden – was einmal verformt ist, bleibt verformt. Allerdings haben wir durch kluge Einflussnahme mit jeder neu produzierten Hornzelle die Chance, den nachwachsen Huf von Anfang an gesünder auszurichten.
Was braucht die/der Bearbeiter:in?
Hierfür bedarf es einiger Voraussetzungen, damit dies gelingen kann: die/der HufbearbeiterIn braucht neben anatomischer Kenntnisse ein gutes Verständnis für die Hufphysik, denn wir arbeiten mit Kräften, die auf die Hornkapsel und weiteren Strukturen einwirken. Zudem ist Wissen über mögliche Maßnahmen und deren Wirkung unabdingbar; denn auch, wenn der Huf nicht so reagiert wie erwartet, muss man zur Analyse und Korrektur des eingeschlagenen Weges in der Lage sein. Zuletzt ist natürlich auch die handwerkliche Ausführung entscheidend. Die professionelle Handhabung des Werkzeugs ist Grundvoraussetzung für das Gelingen der Hufkorrektur. All das sammelt sich nach einer soliden Ausbildung in jahrelanger Erfahrung durch das Beschäftigen mit vielen Fällen in Theorie und Praxis an und muss stets gepflegt und weiter geschult werden.
Was braucht die/der Besitzer:in?
Für die/den BesitzerIn muss klar sein, dass ein verformter Huf nicht in einer oder zwei Bearbeitungen behoben ist. Dies kann bedeuten, dass das Pferd längere Zeit geschont werden muss. Das heißt nicht automatisch, dass es monatelang stehen muss – Training und Nutzung sollten jedoch gut mit der/dem BearbeiterIn abgestimmt und angepasst werden. Darunter kann eben auch fallen, dass das Pferd einige Zeit in bestimmten Situationen Hufschuhe benötigen kann. Gutes Training ist auch für die Hufkorrektur wichtig, denn nur ein gut tragfähiger und ausgerichteter Körper fällt seinen Hufen im wahrsten Sinne nicht zur Last. Zudem bedeutet eine Korrektur des nachwachsenden Hornes (oberer Teil) bei gleichzeitigem Herauswachsen des deformierten Horns (unterer Teil), dass ein in Korrektur befindlicher Huf manchmal keine Augenweide ist. Es können (gewünschte) Ausrichtungsänderungen als ´Knicke´ in der Hornwand sichtbar sein, Hornringe entstehen, alte Einblutungen beim Herauswachsen zum Vorschein kommen und vieles mehr.
Kommunikation ist wichtig!
Damit eine vollständige Rückführung des Hufes in seine bestmögliche Form so zügig wie möglich (also mit der Geschwindigkeit des Hornwachstums) vonstattengeht und keine unbeabsichtigten Störungen auftreten, ist die Kommunikation zwischen BearbeiterIn und BesitzerIn enorm wichtig. Ersterer/m sollte keine Frage, keine Anmerkung, keine Unsicherheit seitens der/des BesitzerIn lästig sein. Wer begründen kann, was er/sie tut und warum, wird angemessen auskunftswillig sein. Gleichzeitig darf die/der BearbeiterIn von der/dem BesitzerIn Rückmeldung erwarten, um die Maßnahmen ggf. anzupassen. Außerdem ist die/der erste AnsprechpartnerIn für die/den BesitzerIn in Sachen Hufe immer die/der BearbeiterIn. Besprochene unterstützende Maßnahmen sollten umgesetzt und nichtabgesprochene unterlassen werden.
Ein Fallbeispiel: Hufkorrektur beim Quarter Horse
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist das Quarter Horse Cookie. Das Pferd kam in huforthopädische Behandlung, nachdem Hufeisen aufgrund stark nachlassender Hornqualität nicht mehr hielten. Schließlich riet der Schmied selbst von Eisen ab. Am Ende stand das Pferd auf vier völlig deformierten Hufen, auf denen es kaum noch laufen konnte. Der exemplarisch vorgestellte linke Vorderhuf zeigte:
- stark untergeschobene Trachten aufgrund von Überlastung,
- eine lange, nicht mehr tragfähige Zehe,
- ausgebrochene Seitenwände,
- Verlust des natürlichen Sohlengewölbes,
- Überstreckung des Hufgelenks (sogenannte Hyperextension).

Der Beginn der Hufkorrektur: Wo soll man also anfangen?
Da kaum Material vorhanden war, wurden zunächst in kurzen zweiwöchigen Abständen behutsam die Hebelkräfte der Zehe reduziert, um die Fehlkraft auf das nachwachsende Horn zu unterbinden. Vorsichtiges Glätten des Tragrandniveaus reduzierte kleine Druckspitzen. Die Sohlenfläche wurde nicht bearbeitet, lediglich von innen vor die Zehenwand drängelndes Blättchen- und Sohlenhorn minimal entfernt. Bereits nach den ersten zwei Wochen war eine passendere, steilere Ausrichtung der Hornkapsel zu erkennen. Auch die Trachten konnten durch verbesserte Lastverteilung steiler nachwachsen.
Verlauf der Korrektur
Im weiteren Verlauf ergab sich weiterhin alle paar Monate eine steilere Ausrichtung des nachwachsenden Horns, die sich aus stetig verringerter einwirkender Hebelkraft der Zehenwand ergab. Bei solch stark ausgeprägten Fehlwinkelungen wie hier zu Beginn bewirken die korrigierenden Maßnahmen oft mehrere Etappenerfolge.

Zwischenziel nach über einem Jahr
Nach etwa 14 Monaten konnte das Intervall von zwei auf normale vier Wochen angepasst werden. Zuvor bewirkte das Hufwachstum, dass der Zehenhebel wieder zu lang wurde und das Pferd zu stolpern begann. Um diesen Zeitpunkt entwickelte sich der Hebel nach zwei Wochen aufgrund stetig verbesserter Ausrichtung nicht mehr so stark, sodass die Intervallverlängerung möglich wurde. Das Wachstum war zwar gleich schnell geblieben, die Richtung des Hornes machte ein Weghebeln jedoch nicht mehr nötig.
Nach nunmehr ca. 17 Monaten ist der Huf kurz vor seiner optimalen, d.h. zur Huf-Fessel-Achse passenden Ausrichtung. Die Trachten sind steiler, die Zehe am Hufbein ausgerichtet, welches sich zudem kaum noch in Hyperextension befindet. Die Hornkapsel befindet sich somit wieder näher unter dem Gliedmaßenschwerpunkt.
In der gesamten Korrekturphase wurde das Pferd weiter trainiert. Je nach Hufsituation und Empfinden des Pferdes griff die Besitzerin phasenweise mehr oder weniger oft auf Hufschuhe zurück.
Fazit
Auch stark deformierte Pferdehufe können mit einer fachgerechten Hufkorrektur wieder funktional werden. Der entscheidende Faktor ist jedoch Zeit – denn die Korrektur erfolgt mit dem natürlichen Wachstum des Hufhorns.
Mit Geduld, Fachwissen und guter Zusammenarbeit zwischen Besitzer:in und Hufbearbeiter:in kann die Huforthopädie die Lebensqualität und Schmerzfreiheit eines Pferdes deutlich verbessern.

Komm´ ins Team!
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