Hufrehe – und jetzt?

Hufrehe – und jetzt?

Immer mehr Pferde leiden unter der gefürchteten Erkrankung der Hufrehe. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Auflösung des Hufbeinträgers, also der Struktur, die für den Zusammenhalt von Hufbein und Hornkapsel sorgt. Die Ursachen für diese sehr schmerzhafte und langwierige Erkrankung jedoch liegen ganz woanders.

Hufrehe erkennen und sofort handeln

Das Pferd mag keines seiner Beine lange belasten und tippelt hin und her. Es kann kaum laufen, jeder Schritt schmerzt. War tags zuvor noch vermeintlich alles in Ordnung, steht das Pferd nun plötzlich mit diesen und anderen Symptomen vor dem Besitzer. Das Wichtigste in dieser Situation ist nun, sofort den/die Tierärzt/in zu rufen. Das Pferd muss unmittelbar von der Wiese genommen und weich gestellt werden, um den Schmerz zu reduzieren. Außer (gewaschenem) Heu sind zunächst sämtliche weitere Futtermittel wie Müsli, Äpfel, Bananen, Leckerchen und so weiter wegzulassen. Der Untergrund sollte weich sein: Sandboden, eine dick eingestreute Box und/oder das Anlegen eines Rehepolsters bzw. weich gepolsterter Hufschuhe in Kombination mit Erste-Hilfe-Maßnahmen durch den/die Hufbearbeiter/in machen es dem Pferd leichter, auf seinen schmerzenden Hufen zu stehen.

Ice ist nice

Es hat sich gezeigt, dass die beste Akutmaßnahme neben der tierärztlichen Behandlung die sogenannte Kryotherapie (griechisch ´kryos´ = deutsch ´Eis/Frost´) ist. Hierbei werden mit Beginn des Schubes die untersten Pferdebeine über mehrere Tage in Dauereis eingepackt (das Kühlen mit kaltem Wasser ist nicht ausreichend!). Das Eisen verhindert durch spezielle physiologische Funktionseinheiten im Pferdebein zwar nicht die Entstehung der Rehe, wohl aber die Schädigung und damit die Auflösung des Hufbeinträgers. Eines sollte man allerdings wissen: entscheidet man sich für die Eistherapie, muss man sie mehrere Tage durchziehen – ein Abbruch oder eine Unterbrechung verschlechtert die Heilung aufgrund des eintretenden Kneipp-Effektes deutlich.

Warum trifft es mein Pferd? 

Wie ist es also so weit gekommen, dass Hornkapsel und Hufbein ihre innige Verbindung verlieren? Um den akuten Schub zu beenden und weitere zu verhindern, ist das Herausfinden der Ursache das A und O. Zunächst muss man deutlich sagen: Hufrehe ist immer eine systemische Erkrankung, sie betrifft also immer den Stoffwechsel und somit auch immer alle vier Hufe. Allein Galopp auf hartem Boden (sog. „Belastungsrehe“) bewirkt diese Beschädigung in den Hufen nicht. Oftmals sind die Vordergliedmaßen schlimmer betroffen, weil sie zum Einen mehr Körpergewicht als die Hinterbeine tragen und zum Anderen anders aufgebaut sind und somit weniger Gewicht abfangen können.

Hufrehe hat meist eine sehr lange und schleichende Entwicklungsgeschichte und beginnt meist lange vor der ersten Symptomen. Permanent zu viel Futter, zucker- und fruktanhaltiges Futter, Bewegungsmangel – alles, was zu Übergewicht beim Pferd führt, schadet dem Pferd. Denn das überschüssige Körpergewicht besteht aus Fett und das kann hormonell aktiv sein. Daraus resultiert eine Stoffwechselstörung (EMS, Cushing, Insulinresistenz etc.), die über kurz oder lang in einem Reheschub mündet. Etwa 90 % aller Rehefälle haben ihre Ursache in einer sich langfristig einschleichenden Stoffwechselentgleisung. Das übrige Zehntel umfasst alle akuten Ursachen wie Vergiftungen, plötzliche Überfütterung (Kraftfuttertonne ausräubern…), Nachgeburtsverhalten oder auch Medikamentenunverträglichkeiten.

Hufrehe vermeiden

Um den für das Pferd sehr schmerzhaften und langen Leidensweg eines oder mehrerer Hufreheschübe zu vermeiden, muss man also von Beginn an das Pferd so artgerecht wie möglich füttern und halten. Heutzutage sind die meisten Hufrehen keine Weiderehen mehr, sondern entstehen durchaus auch bei reiner Heufütterung – und zwar dann, wenn das angebotene Heu zu reichhaltig, der Bewegungsanreiz zu gering und das Pferd zu dick ist. Übergewichtige Pferde sind keine „niedlichen Speckis“ sondern schlicht krank.

In Fütterungskursen, Seminaren, Zeitschriften, Büchern zur artgerechten Pferdehaltung und angemessenem Training erfahren Pferdebesitzer alles zur korrekten Rationsberechnung, zum Bewegungsbedürfnis und gesunderhaltendem Training von Pferden. Prävention ist das wichtigste, denn neben dem Leid des Pferdes ist die Behandlung von Hufrehe kostenintensiv und bedeutet auch für den Besitzer eine große psychische Belastung.

Heilung ist möglich

Die Rückführung geschädigter Hufe in einen dauerhaft gesunden Zustand ist für Huforthopäden bei korrekter Bearbeitung in kurzen Intervallen möglich. Die Voraussetzung für das Gelingen huforthopädischer Korrektur ist, dass die Ursachen für die Rehe gefunden und dauerhaft abgestellt werden. Bis ein Huf jedoch einmal durchgewachsen ist, vergeht etwa ein Jahr. Der Besitzer eines an Hufrehe erkrankten Pferdes sollte also mit einer mindestens mehrmonatigen Pause und deutlich eingeschränkten Nutzbarkeit des Vierbeiners rechnen.

Komm´ ins Team!

Bundesweit gibt es einen Mangel an guten Hufbearbeitern. Du möchtest selbst tätig werden? Dann lass dich von uns von Grund auf ausbilden und werde Huforthopäd/in! Infos zur Ausbildung erhältst du in unserer Online-Info-Veranstaltung (Termine hier) sowie unter info@hufortho.de.